weltreligionen

Die großen Weltreligionen

1. Überblick

Bei den Religionen kann man zwischen monotheistischen, pantheistischen und den Religionsphilosophien unterscheiden.

Die monotheistischen Religionen wie das Judentum mit weltweit ca.18 Millionen Mitgliedern, das Christentum mit ca. 1,9 Milliarden Mitgliedern und der Islam mit ca. 1,1 Milliarden Mitglieder verehren alle den "einen", "personalen" Gott.

Die pantheistischen Religionen erkennen und verehren das Göttliche in vielen Gegebenheiten der Welt und des Alltags. Bedeutendste pantheistische Religionen sind der Hinduismus in Indien und Teilen Hinterindiens mit ca. 800 Millionen Gläubigen und der japanische Schintoismus.

Schließlich gibt es noch die Religionsphilosophien, die die Erlösung des Menschen als selbstverantwortliche Aufgabe sehen. Bekannt sind als Religionsphilosophien der Buddhismus mit ca. 350 Millionen Mitgliedern und der Konfuzianismus und Taoismus in China. Ob man die modernen Philosophien Kommunismus, Maoismus, Kapitalismus und den Nihilismus dazu zählen möchte, muss jedem selbst überlassen bleiben.

2. Die wichtigsten Religionen im Einzelnen

2.1 Das Judentum

Abraham (ca. 2000 v.Chr.) gilt als der Stammvater der 3 Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Das eigentliche Judentum manifestierte sich im Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten, der etwa um das Jahr 1200 v.Chr. stattfand. Wahrscheinlich entstand der Ein-Gott-Glauben eng im Zusammenhang mit dem in Ägypten zu jener Zeit auftretenden "Echnaton"-Glauben, bei dem der eine Gott "Aton" den Vielgötterglauben des alten Ägypten ersetzen sollte. Etwa im Jahre 1000 v.Chr. errichtete König David das erste jüdische Großreich mit der Hauptstadt Jerusalem. Ausgelöst durch Unruhen gegen die römische Besatzungsmacht begann ca. 50 n.Chr. die Diaspora, also die Zerstreuung des jüdischen Volkes in alle Welt. Die schlimmste Phase im Judentum war jedoch sicherlich der Holocaust von 1938 – 1945 n.Chr., bei dem durch die Nationalsozialisten 6 Millionen Juden ermordet wurden. Dies war mit ein Grund, dass im Jahre 1948 der jüdische Staat Israel neu gegründet wurde.

Die wesentlichen Merkmale des jüdischen Glaubens sind der "Ein-Gott-Glauben", die Eigendefinition als "Auserwähltes Volk", das Warten auf den "Messias". Als Stammvater des jüdischen Volkes gilt Abraham, die Gesetzgebung fand unter Moses statt und die Tora bildet die Basis für das religiöse und gesellschaftliche Leben. Die Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft kann auf zweierlei Art geschehen, entweder durch den Beitritt oder durch die Vererbung mütterlicherseits. Das Judentum ist Basisreligion sowohl für das Christentum als auch für den Islam.

Wichtige Vorschriften im Judentum sind die koschere Zubereitung von Nahrungsmitteln, das Schächten von Tieren und das religiöse Bilderverbot. Wichtige Feiertage sind das Roschha-Shana (Jüdisches Neujahr), Jom Kippur (Versöhnungsfest), Pessach (Auszug aus Ägypten), Schawout (Offenbarung am Sinai) und Sukkot (Laubhüttenfest). Der Versammlungsraum für den Gottesdienst ist die Synagoge und die Religionslehre ist im Talmud und in der Tora festgelegt.

Das Sabbat-Morgengebet:

"Wär unser Mund voll Gesang wie das Meer, unsre Zunge voll Jubel wie das Rauschen der Wellen, unsre Lippen voll Rühmens wie des Himmels Weiten, unsre Augen leuchtend wie Sonne und Mond, unsre Hände angespannt wie Adler des Himmels und unsre Füße schnell wie Rehe, wir würden nicht genügen zu loben Dich, Herr, unser Gott, Gott unsrer Väter, und Deinen Namen zu preisen für eins von den tausend und aber tausend Milliarden mal, da Du Gutes getan hast an unsern Vätern und an uns."

2.2 Das Christentum

Die Ursprungsreligion ist der jüdische Glauben mit Jahwe als alttestamentarischen Gott. Dann aber ist Jesus der Begründer einer neuen Religion. Die Religion verbreitete sich rasch über Kleinasien ins gesamte Römische Reich. Später verbreitete sich die neue Religion in die die ganze Welt, speziell nach Europa, Amerika und große Teile Afrikas. In Asien gab es nur Teilerfolge, wie zum Beispiel auf den Philippinen. Relativ früh (1054 n.Chr.) spaltete sich das Christentum in die Westkirche mit dem Sitz in Rom und die Ostkirche mit Sitz in Konstantinopel (das 2te Rom) und später Moskau (das 3te Rom). Das westliche Christentum spaltete sich später erneut unter Luther (1517 n.Chr.) in einen katholisch konservativen und in einen reformatischen Block.

Wesentliche Merkmale des Christentums ist der Ein-Gott-Glaube, allerdings in der Dreifaltigkeit Vater-Sohn-Heiliger Geist. Das AlteTestament ist in den Glauben integriert, die Lehren des Messias Jesus Christus bilden das Neue Testament. Das Christentum steht grundsätzlich allen Menschen offen, der Eintritt in den Glauben geschieht durch die Taufe. Vergebung der Sünden ist ebenfalls ein wichtiges Merkmal des Glaubens, die wichtigen Feiertage sind Weihnachten (Geburt Christi), der Gründonnerstag (das Abendmahl, Basis für die Eucharistiefeier), Karfreitag (Tod Christi), Ostern (Auferstehung Christi) und Pfingsten (Herabkunft des Heiligen Geistes). Gotteshaus ist die Kirche.

Textauszug: Evangelium Markus 12, 29-31

"Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört, und da er bemerkt hatte, wie treffend 
 Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste
 von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott ist der einzige
 Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele,
 mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen
 Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden."

2.3 Der Islam

Der Islam beruft sich wie das Judentum auf den Stammvater Abraham. Jesus ist einer der Propheten, gilt aber nicht als Gottessohn. Mohammed als letztem Propheten wird von Gott der Koran zur Niederschrift geoffenbart. Mohammed wurde 570 n. Chr. in Arabien geboren. Die Religion breitete sich rasch in Arabien und Nordafrika aus. Von dort springt sie über nach Spanien, wo sich über Jahrhunderte Islam und Christentum gegenseitig befruchten. Später ebenfalls erfolgreiche Ausbreitung in Asien, als Beispiele seien Pakistan und Bangladesh, Malaysia und Indonesien genannt.

Grundsätzlich steht der Islam allen Menschen offen. Man wird entweder Muslim durch Geburt oder durch Beitritt. Der Koran bestimmt nicht nur das religiöse Leben, sondern in vielen Ländern auch das politische Leben und den Alltag. Alleiniger Gott ist Allah, es besteht wie im Judentum Bilderverbot. Die fünf Hauptpflichten im Islam sind das Glaubensbekenntnis zu Allah, das fünfmalige tägliche Gebet, das Geben von Almosen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka. Die Saria (das Gesetz) fordert die Zwangsbekehrung von Heiden, nicht aber die der Schriftbesitzer, also der Juden und der Christen. Es besteht kein Zwang im Glauben (Sure 2,257). Gotteshaus im Islam ist die Moschee.

Textauszug: Fatiha-Gebet ("die Eröffnende")

"Lob sei Gott, dem Herrn der Welten,
 Dem Barmherzigen, dem Erbarmer,
 Dem König des Gerichtstages,
 
 Dich beten wir an, und zu Dir flehen wir um Hilfe,
 Führe uns den geraden Weg,
 
Den Weg derer, denen Du gnädig bist,
 
Nicht derer, denen Du zürnst, und nicht der Irrenden"

2.4 Der Hinduismus

Nachdem ca 1500 v.Chr. die Arier den indischen Subkontinent erobert hatte, bildete sich gegen 1200 v. Chr. der auf die Veden als religiöse Schriften aufbauende Vedismus aus. Ca. um 900 – 400 v. Chr. entwickelte sich dann der Brahmanismus als die ältere Form des eigentlichen Hinduismus. Als religiöse Schriften erlangten die Ubanishaden mehr und mehr Bedeutung. In der Zeit des anschließenden jüngeren Hinduismus entstanden die wichtigen Heldenepen Mahabharata und Ramayana. Nach der ersten Ausbreitungswelle des Hinduismus gab es ab ca. 500 n. Chr. eine zweite Welle der Ausbreitung. Am weitesten verbreitet ist der Hinduismus in Indien, wo er den aufgekommen Buddhismus stark zurückdrängen konnte. Weiter findet man den Hinduismus in Nepal und in Bali als Restinsel des früher hinduistischen, heute weitgehend moslemischen Indonesiens.

Die wichtigsten drei Götter des neuen Hinduismus sind Brahma, der Weltenschöpfer, Vishnu, der Welterhalter und Shiva, der Weltzerstörer. Diesen männlichen Göttern ist jeweils ein Tier und jeweils eine weibliche Göttin zugeordnet, am berühmtesten wohl die Gattin Shiva in ihren Erscheinungen Durga und Kali. Es gibt Millionen indischer Götter, die oftmals aber nur als Aspekte des Brahman, des Weltengeistes gelten. Wichtige hinduistische Götter sind noch Ganesha, der Elefantengott, Hanuman, der Affengott und die Göttinnen Sarasvati, Lakshmi, Radja und Sita. Wichtige und bekannte Inkarnationen Vishnus sind Rama und Krishna.

Wichtige Begriffe der indischen Religion ist das Samsara, das für die Seelenwanderung und die Wiedergeburt steht und das Karma, das Erbe aus den bösen Taten, die zu Samsara führen. Das Weltenprinzip wird als Brahman bezeichnet, dessen entsprechender Teil das Atman im Menschen ist, dessen Ziel es sein soll, dieses Atman wieder in das göttliche Brahman rückzuführen. Die Erlösung aus den Wiedergeburtskreislauf wird im Hinduismus als Moksa bezeichnet.

Im Hinduismus gibt es ein feingegliedertes Kastenwesen mit den Hauptkasten der Brahmanen, der Priester, dann der Kshatriyas, den Kriegern, den Vaishvas, Bauern und Handwerkern und den Shudras als Knechten und Dienern. Kastenlos sind die sog. Unberührbaren.

Die beiden bekannten Epen im Hinduismus sind das Ramayana und das Mahabharata. Im Ramayana befreit Rama (als Inkarnation Vishnus) seine Frau Sita (als Inkarnation Lakshmis) aus der Herrschaft des Dämonenkönigs Ravanna. Hilfe erfährt er dabei vom Affenkönig Hanuman und dem Göttervogel Garuda. Das Mahabharata, mit 100000 Versen das längste Gedicht der Weltliteratur ist berühmt durch ein Teilstück, die Bagavadgita, dem Gesang des Erhabenen (Krishna).

Textauszug: Rigveda X 129

"Nicht war Nichtseiendes, nicht Seiendes war damals,
 Nicht war Luftraum, Firmament über ihm,
 Was webte damals? Wo ? In wessen Schutz ?
 Nicht Tod, nicht Leben war da,
 Nicht unterscheidendes Merkmal zwischen Tag und Nacht.

 DAS atmete, jedoch in eigener Weise,
 Ohne Hauch, das Eine
 Von ihm verschieden war sonst nichts vorhanden."

2.5 Buddhismus

Im Jahre 563 v. Chr. wurde Siddharta Gautama, der spätere Buddha geboren. 534 v. Chr. verlässt er Familie und widmet sich der Askese. Aber erst in der Meditation erlangt er die Buddhaschaft, das Erwachen oder auch Erleuchtung. Seine Lehre von Leiden und der Auslösung des Leidens verbreitet er noch 45 Jahre, bevor er 80jährig in das Nirvana eingeht. Ab ca. 500 v. Chr. breitet sich der Buddhismus in ganz Indien, in Südostasien bis nach China und Japan aus, in Indien wird er später wieder vom Hinduismus verdrängt. Der Buddhismus spaltet sich relativ früh in die Hauptrichtungen Hinayana, das kleine Fahrzeug, das Mahayana, das große Fahrzeug und das Tantrayana, das diamantene Fahrzeug.

Im Buddhismus existieren zwar Götter, sind aber nicht entscheidend. Entscheidend ist die Befreiung des Menschen in der Menschenwelt. Buddha lehrte die Vier Edlen Wahrheiten. In der ersten Wahrheit zeigt er auf, dass alles im Leben, also auch das Glück im Endeffekt Leiden erzeugt. Die zweite Wahrheit zeigt Lebensdurst (Begehren, Lust) als Ursache dieses Leidens auf. In der dritten Wahrheit wird die Vernichtung des Lebenshungers als Mittel zur Aufhebung des Leidens gepriesen und die vierte Wahrheit zeigt den Achtfachen Pfad als geeigneten Weg auf. Der achtfache Weg fordert: die rechte Erkenntnis, die rechte Gesinnung, das rechte Reden, das rechte Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Aufmerksamkeit und rechtes Sichversenken. Die Meditation führt schließlich zu Buddhaschaft (Erwachen) und letztendlich zum Nirvana (Erlöschen, Nicht-Sein).

Textauszug: Dhamma-pada 153 f.

Buddha (=Erleuchteter) spricht nach seiner Erleuchtung:

"Den Kreislauf vieler Geburten
 Habe ich ruhelos durchlaufen
 Den Bildner des Hauses suchend;
 Qualvoll ist die ewige Wiedergeburt.
 Nun bist du erschaut, Bildner des Hauses,
 Kein Haus du mehr bauen wirst;
 
Denn gebrochen sind deine Balken,
 Und des Hauses Dach vernichtet,
 Das Herz, frei geworden,
 Hat alle Begierten getilgt."

3. Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten

3.1 Die Schöpfungsgeschichte

Judentum-Christentum-Islam:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. (Genesis 1,1)

Hinduismus:

Am Anfang war weder Sein (sat) noch Nicht-Sein (asat), es existierte nur das Eine (ekam). (Rigveda, Hymnus X.129)

3.2 Der erste Sündenfall

Judentum-Christentum-Islam:

Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf, ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. (Genesis 3,4-5)
Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. (Genesis 3,7)

Hinduismus:

Durch das Bewusstsein, durch Begierde erzeugt, wurde das Sein vom Nichtsein geschieden. (Rigveda, Hymnus X.129)

3.3 Die große Flut

Judentum-Christentum-Islam:

Die Flut auf der Erde dauerte vierzig Tage. Das Wasser stieg und hob die Arche immer höher über die Erde (Genesis 7,17)

Hinduismus:

Manu, der Ahnherr des Menschengeschlechts, wurde vor der Sintflut gewarnt, die die Menschen dahinraffen sollte. Zusammen mit sieben Rishis, den Stammvätern der Brahmanengeschlechter, bestieg er ein Schiff, das von Gott Vishnu in seiner ersten Inkarnation als Matsya, dem Fisch bis zu einem Berg gezogen wurde, um das Zurückweichen des Wassers abzuwarten

3.4 Heilige Worte

Christentum: Johannes 14, 20

Jesus sagt:

"An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater,
ihr seid in mir und ich bin in euch."

Hinduismus: Bhagavad-Gita 9,29

      Krishna sagt:

      "Die liebend mich erkennen, die sind in mir, in ihnen ich."

       

       

Hinweis:       Diese Seite ist eine Zusammenfassung eines Vortrag im November 2002 in Burghausen
                    Ziel war eine neutrale Darstellung aller 5 Weltreligionen mit dem Aufzeigen von Gemeinsamkeiten

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